Geheimnisse der Maya

Gefährlicher Ballsport

Dieser Text enthält brutale Inhalte und ist deshalb nicht für Leser unter 18 Jahren geeignet. 😉
Stell dir vor du bist Gewinner in einem Ballspiel und der Sieger wird nicht gefeiert, sondern geopfert. Wobei eigentlich unklar ist, ob wirklich der Sieger oder der Verlierer getötet wurde. Möglicherweise standen vor Spielbeginn die Opfer schon fest. Gefangene mussten – mit Gewichten behangen – ein scheinbar kompliziertes Spiel spielen. Weder Fuß noch Hand durften den Kautschukball berühren. Nur Hüfte, Schulter und Kopf sollten den Ball in ein kleines, kreisrundes Tor befördern. Hier auf dem Foto sieht man den steinernen Ring oben in der Mitte. Das ist das Tor.

Wir steigen mühsam Stufe für Stufe den mächtigen Maya-Tempel hinauf. Kurz zuvor haben wir gelesen, dass dem Auserwählten hier oben das Herz herausgeschnitten wurde. Die toten Menschenopfer stieß man danach die Treppen hinunter. Unten angekommen häuteten die Priester die Leiche, damit sich der Hauptpriester in die Haut des Opfers einhüllen konnte, um einen Ritualtanz zu vollführen. Abartig brutal, denke ich. Aber Hexenverbrennung und Teufelsaustreibung in Europa waren nun auch nicht gerade warmherzig und nett.


Die Maya-Kultur war die glanzvollste und originellste Hochkultur Amerikas. Es gibt viele Geheimnisse um das frühere Leben der Maya. Ich bin überrascht, als ich im Maya-Museum in Chetumal etwas vom Dresdener Maya-Codex lese. Als die Inquisition über den amerikanischen Kontinent hinwegfegte, zerstörte man alle heidnischen Objekte. Deshalb existieren nur noch vier Bücher der Mayas, die nach ihrem Aufbewahrungsort benannt wurden. Fast alles Wissen über die Mayakultur stammt also aus diesen Schriften.

Was mich erstaunt, ist, dass es trotz der Kenntnisse über Mathematik, Astronomie und Architektur brutalste Rituale gab. Die Gottkönige des Regenwaldes waren von Selbstkasteiung nicht ausgeschlossen. Und auch wenn ich es abstoßend finde, dass man bei Kleinkindern den Schädel mit Holzplatten in eine bestimmte Form presste, dienen heutige Schönheits-OPs im Prinzip auch keinem anderen Zweck.

Die Mayas haben im Gegensatz zu den Inkas oder Azteken nie einen einheitlichen Staat gebildet. Es gab viele einzelne Stadtstaaten. Das machte es den Eroberern aus Europas schwer, dieses Gebiet einzunehmen. Erst zweihundert Jahre nach der Ankunft von Kolumbus wurden die Mayas besiegt.


Antike Mega City

Wir verlassen Mexiko. Unsere Reise führt uns zu einer der größten und prächtigsten Mayastätten: In Guatemala mitten im Dschungel liegt die antike Stadt Tikal. Wir zelten bei einer Lodge am Eingang des UNESCO-Welterbes bzw. Nationalparks. Mit Erwachen des Dschungels betreten wir die Welt der Mayas. Zahlreiche Affen, Nasenbären, Papageien, Tukane nehmen kaum Notiz von uns.

Und dann stehen wir plötzlich, umgeben von gigantischen Pyramiden und Palästen, im Zentrum der über tausend Jahre alten Stadt. Tikal erstreckt sich über 65 km², wobei der zentrale Bereich mit über 3.000 Bauten nur 16 km² einnimmt. Viele Gebäude (ca. 10.000) sind noch nicht ausgegraben. Manche Pyramiden sind noch völlig zugewachsen, andere hingegen rekonstruiert und mit Besucherplattformen ausgestattet.

Eintauchen in eine andere Welt

Zurück in Belize erleben wir eine der spektakulärsten Tagestouren unserer bisherigen Reise. Es gleicht einer Zeitreise, denn es fühlt sich an, als wenn kurz vorher die Mayas hier ihren Opferkult abgehalten haben. In einer kleinen Gruppe von acht Leuten durchqueren wir zu Fuß drei Mal einen Fluß. Klar wird man da nass, pitschnass. Und das ist unser Dauerzustand für die nächsten 4 Stunden. Beneidenswert sind diejenigen, die das eigene Fettpolster wärmt.

Wir stehen vor einem Höhleneingang und springen in türkisblaues Wasser. Stirnlampe an und dem Guide folgend durch enge Spalten, auf einem Pfad mit Wasser bis zum Kragen und manchmal auch ein paar Schwimmpassagen, über uns Stalaktiten und Fledermäuse, neben uns die eine oder andere Spinne, unter uns… keine Ahnung (Uuuaaah). Wir passieren riesige kathedralenähnliche Hohlräume bis wir ans Herz der Ausgrabungsstätte kommen. Auch die Mayas sind vor über tausend Jahren hier in die Höhle vorgedrungen. Zu dieser Zeit herrschte große Trockenheit im Land. Sie folgten dem Wasser, um Regengott Chac ihre Opfer zu bringen. Und wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, den wundert es nicht, dass es auch hier Menschenopfer gab. Skelette von Erwachsenen und Kindern starren uns aus der dunklen Felsgrotte entgegen. In der Höhle ist alles so, wie es vorgefunden wurde. Lediglich unsere Lampen und ein auf den Boden gelegtes Absperrband weisen uns den Weg.

Erst 1989 wurde die Höhle von Wissenschaftlern entdeckt und 1998 für den Tourismus freigegeben. Zwischenzeitlich stand diese geheimnisvolle Höhle kurz vor der Schließung. Der Grund: Touristen haben auf einen antiken Schädel einen Fotoapparat plumsen lassen. Kaputt! Genau wie die Knochen, die bei Machen eines Selfies zertrampelt wurden. Nur unter Auflagen dürfen nun die Guides ihre Gruppen hierherbringen. Eins davon ist: Keine Kamera bzw. kein Handy!!! Deshalb haben wir heute leider keine Fotos für dich. Aber hier könnt ihr spektakuläre Bilder sehen.

Was ist aus den Mayas geworden? Heute leben rund 6,1 Millionen Maya im Gebiet zwischen Yucatan und Honduras. Sie sprechen ihre eigenen Sprachen (30 verschiedene) und erlernen Spanisch als Fremdsprache. Jede Maya-Gemeinde hat ihre eigenen religiösen und weltlichen Oberhäupter. Gott sei dank gibt es keine Menschenopfer mehr. Hühner, Gewürzen oder Kerzen bringt man dar.

 

 

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