Mexiko gefährlich schön

Mexiko ist laut Einschätzung der amerikanischen Sicherheitsbehörden ungefähr so sicher wie Deutschland und Afghanistan! 2017 wurden über 20.000 Menschen ermordet und es waren „nur“ 150 Ausländer darunter. Drogenkartelle kämpfen hier um die Vorherrschaft – institutionelles Versagen und soziale Schieflagen werden als Gründe angeführt. Gefährliche Urlaubsorte sind allerdings für die amerikanische Tourismusindustrie nicht gewinnbringend. Die Lösung ist denkbar einfach: einfach das Label “Bendenkenlos Reisen” auf die beliebten Urlaubsgebiete packen und der Laden läuft. Die unter Amerikanern beliebte Karibikhalbinsel Yucatan ist wie für Deutsche Mallorca. Und für Mexiko ist wiederum Tourismus die drittwichtigste Einnahmequelle nach Autoexporten und Überweisungen ausgewanderter Mexikaner. Quelle und weitere  Infos hier.

Also wir sind zumindest (an)gespannt. Aber das eigentliche Problem für den Tourismus stinkt uns an der Karibikküste entgegen: Riesige Berge von Algen zieren die einst makellosen Strände. Entweichende Schwefelwasserstoffe duften nach verfaulten Eiern. Der Braunalgenteppich hat sich explosionsartig vermehrt und reicht inzwischen von Mexiko bis nach Westafrika. Als eine der Ursachen wird die Abholzung im Amazonasgebiet vermutet. Düngemittel gelangen in den Ozean und begünstigen das Algenwachstum. Auch hierzu ein interessanter Link.

So, nun ist das Negative erstmal gesagt, kommen wir zu den schönen Dingen Mexikos. Wir treffen Elisa in Cancun und werden die nächsten Wochen gemeinsam verbringen. Es gibt nur eine Mietwagenfirma, die es ermöglicht über die Grenze von Mexiko nach Belize und weiter nach Guatemala zu fahren. Also wählen wir diese und holen uns ein paar Tage später die bestätigte Ausreiseerlaubnis ab. Und los gehts. Unterwegs feiern wir unzählige Male zu diesem Lied ab. Wer also ein bisschen Mexiko-Feeling bekommen möchte, kann mal reinhören.

Spektakulär

Die flache Halbinsel Yucatan besteht aus einer dicken Kalkschicht, die manchmal auch einbricht oder von Meteoriten zerstört wurde. Die Löcher füllen sich dann mit Regen und Grundwasser. Erst im letzten Jahr haben Forscher eine 347 Kilometer lange Unterwasserhöhle entdeckt – die wahrscheinlich längste der Welt. Die entstandenen Löcher nennt man Cenoten. Der Begriff  stammt von den Maya und bedeutet heilige Quelle. Es gibt über 1.000 solcher Cenoten auf Yucatan und in einigen von ihnen kann man baden oder tauchen oder Untererwasser-Hochzeitsfotos machen.

Naturparadies

Der Weg nach Punta Allen führt auf einer Straße entlang, die links und rechts von Meer oder schmalen Waldabschnitten umgeben ist. Carlos ist so eine Art Hausmeister der Sian Ka’an Nationalpark/Biosphärenreservat-Informationsstelle. Er organisiert uns eine private Lagunen-Bootstour, denn hier soll es die seltenen Manatis (Seekühe) geben. Wir sitzen mit zusammengekniffenen Augen in unserem Kahn und starren eine halbe Ewigkeit auf die Wasseroberfläche. Ich bezweifle, dass wir die seltsamen Meereslebewesen zu sehen bekommen. Doch dann erbarmt sich eins und taucht auf.

Der Seeadler ist auf Plastik-Bauweise umgestiegen. Recycling mal anders!

Die dunklen monströsen Strudellöcher erinnern mich an den Abfluss in der Badewanne. Sie verbinden diese Lagune unterirdisch mit dem Meer.

An der Brücke bei den Mangroven gibt es Krokodile. Da kann man ja auch mal baden gehen, denkt sich ein Touri und springt 50 Meter weiter hinten ins Wasser. Man kann nur hoffen, dass das Krokodil heute schon gut gefrühstückt hat. Wer erkennt es auf dem Foto?

Abenteuerlich

Wir fragen Carlos nach einem Campingplatz. Er guckt uns verschmitzt an, holt seine Machete und meint, wir sollen ihm folgen.  Wir stolpern ihm barfuß bzw. mit Badelatschen durch den Busch hinterher bis wir schließlich an einem einsamen Küstenstreifen herauskommen. Ein Traum. Ja, klar wollen wir hier zelten. Carlos lädt uns zum Abendessen ein. Er hat Fische geangelt. Wir teilen uns auf, denn es wird bald dunkel. Andreas bleibt bei Carlos und hilft beim Feuer machen. Elisa und ich wollen unser Nachtlager schon mal vorbereiten. Ein Zelt bei starkem Wind aufzubauen ist schon eine Herausforderung, aber wenn man das erste Mal ein neues Zelt aufbaut und nicht weiß, welche Lasche in  welche Öse gehört, dann ist es eine Meisterleistung! Wir schlagen gerade den letzten Hering in den Boden, als Andreas heranspaziert kommt. Abendbrot. Mein Bedarf an Heringen oder wie auch immer die Fische hier heißen, ist für mich gedeckt. Nachdem sich Andreas und Ellie über die gegrillten Fische hergemacht haben, führt uns Carlos auf einen gesperrten und ziemlich wackligen Aussichtsturm.  Ein Grandioser 360-Grad-Rundumblick: Kein Berg, kein Haus, kein hoher Baum stört den Blick bis zum Horizont. Der feuerrote Sonnenball versinkt in den Weiten Mexikos hinter der Lagune.

Eine Stunde später tapsen zwei gesättigte und eine hungrige Deutsche zum Zelt. Wir sind gerade bettfertig, als wir hören, wie draußen etwas raschelt. Andreas, den Mutigsten in unserer Runde, schicken wir vor die Zelttür, um nachzusehen. Entwarnung. Es ist Carlos und er hat heiße Schokolade für uns dabei. Das können wir nicht ausschlagen und so sitzen wir noch bis spät in der Nacht im Mondschein und  versuchen uns mit unseren wenig Spanisch-Kenntnissen und Google-Translater zu unterhalten. Carlos verabschiedet sich und verspricht uns zum Sonnenaufgang frisch geerntete Kokosnüsse.

… und auch am nächsten Tag finden wir ein pardiesischen Zeltplatz, allerdings gegen Bezahlung. Die benachbarten Strandhütten lagen eindeutig über unserem Budget.

 

 

 

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