Kurioses aus Popayan

Die Stadt Popayan besuchte Andreas bereits vor 26  Jahren und so versprach er mir eine der schönsten Städte Kolumbiens.

Es dämmert bereits als wir ankommen, trotzdem wollten wir für einen kleinen Snack noch in die Stadt. Kurze Zeit später stehen wir nicht zwischen weiß getünchten Häusern, sondern in einem vermüllten Armenviertel. Vielleicht sind wir in der falschen  Stadt, meint Andreas. Verlaufen, würde ich sagen. Am Morgen melden wir uns für eine Free-City-Tour an und starten im berühmten (weißgetünchten!) Viertel von Popayan mit vielen Aaahs, Ooohs und Iiiihhs.

Zuerst eine Aufgabe für Dich zum Mitmachen: Finde den Fehler auf diesem Foto: (*Auflösung ganz unten)

Dann erfahren wir, dass nur in den Häusern der reichen Bürger im Innenhof ein Brunnen ist. Die Töchterzimmer befinden sich in den Gehöften immer ganz weit hinten, damit die jungen Frauen sich nicht einfach am Abend wegschleichen können. Die Mutter und Großmutter hingegen hatten ein Fensterplatz zur Straßenseite, um so potentielle Bewerber schon mal abzuchecken. Sollte es dann zu einem ersten Treffen kommen, war natürlich eine Anstandsdame dabei. Aber Gott sei Dank sind diese Zeiten hier vorbei. (Aaaah)

Besonders imposant muss die Osterprozession hier sein, die zum Weltkulturerbe gehört und an vielen Stellen auf sich aufmerksam macht. 1983 gab es ein fürchterliches Erdbeben während der Karwoche mit 267 Opfern. Viele verstarben damals in der Kirche, weil sie unter der Kuppel Schutz suchten, die einstürzte. (Oooh)

Die Häuser in Popayan sind nicht nur weiß wegen der Wärme. Nein, es gibt einen viel verblüffenderen Grund. Dazu möchte ich einen Text aus den Reisebschreibungen von John Potter Hamilton (1828) zitieren:
“… Die Niguas, oder Sandflöhe, die sich unter den Nägeln unserer Zehen eingruben, waren nicht weniger lästig; wöchentlich mußte ein junger Halbindianer, Namens Joaquin, der eine große Geschicklichkeit besaß, sie mit Hülfe einer Nadel unter den Nägeln hervorzuziehen, einigemale unsere Füße untersuchen. An einem heftigen Jucken wird man es bald gewahr, dass der Sandfloh die Haut durchfressen hat, und betrachtet man die Stelle genau, so erscheint es als kleines weißes Pünktchen unter dem Nagel… Lässt man dieß lästige Thier in der Zehe stecken, so wächst es zu einer beträchtlichen Größe an, und verursacht Entzündungen, ja häufig Brand…”

Dieser Sandfloh lebte in Popayans Pflaster. Durch das Kalken der Häuser wurde er schließlich vertrieben. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, gab es so genannte Scheuer-Ecken. Nur dort durfte man sich Jucken. (Iiiieh)


Das Weibchen, welches sich in den Wirt gefressen hatte, sondert nach Befruchtung durch ein Männchen tausende Eier ab, die in den Sand fallen. An sich alles in allem eine harmlose Erkrankung, allerdings sind Sekundärinfektionen möglich, die gefährlich sein können. Mit diesem Wissen schlafe ich ein. Am Morgen juckt mein großer Zeh …

Unser Stadtführer organisiert uns ganz spontan einen privaten Spanischlehrer. Das heißt, wir bleiben länger in Popayan. Nicht nur der Spanischunterricht, sondern auch ein paar Hintergrundinfos vom Land zu bekommen, ist eine absolute Bereicherung. Zum Beispiel würde niemand in Kolumbien auf die Idee kommen, zum Mittagessen Bier zu trinken. Es gibt Obstsaft, der ist viel preiswerter. Auch mit unserem Tramperzeichen (Daumen hoch) kann man hier rein gar nix anfangen. Es signalisiert eher „Es ist alles in Ordnung“. Stattdessen zeigt man hier mit ausgestrecktem Arm auf das Auto. Und wir haben auch über Deutschland etwas gelernt. Wir sollten nämlich erklären, was die drei Farben unserer Flagge bedeuten. Weißt du es? (Hier steht es). Und nun erkläre das mal auf Spanisch.

In unserem Hotel gibt es einen Gratis Salsa-Kurs. Klar wir sind dabei. Uno, dos, tres – cinco, seis, siete. Mit den Schritten klappt es, nur den Takt treffen wir nicht immer. Und am nächsten Abend gehts in einen richtig urigen Salsaclub. Wir sind gegen acht Uhr da und natürlich die Exoten. Bis plötzlich ein Mann und eine Frau an unserem Tisch stehen und mit uns tanzen wollen. Und so geht es den ganzen Abend. Zur späten Stunde schwankt dann der eine oder andere Kolumbianer mit einem Schnapsbecherchen zu Andreas, um mit mir dann zu tanzen. Eine Konversation ist schwierig. Da ich die Fragen nicht verstehe, antwortete ich irgendetwas, um nicht ständig mit den Schultern zu zucken.

Leider habe ich von unseren Tanzkünsten keine Fotos, dafür aber ganz viele vom Tagesausflug zum Indigena-Markt in Silvia.

*Auflösung:
Die Uhr mit der Ziffer 4 ist eine IIII und keine IV. Entgegen den Erklärungen von Wikipedia hat unser Stadtführer eine völlig andere Version. Sonnenkönig Ludwig der XIV. soll einen Uhrmacher beauftragt haben, sich eine andere Schreibweise für die IV auszudenken. Das Ergebnis mit den 4 Strichen gefiel ihm überhaupt nicht und machte den armen Mann einen Kopf kürzer. Aus Protest und Gedenken an den Uhrmacher stellten daraufhin viele Kollegen das Ziffernblatt mit den 4 Strichen her.

2 Kommentare

  1. Hallo Yvonne,
    vielen Dank für Deinen Kommentar auf meiner kleinen Reiseerzählung (www.reiseversuch.de/Popayan) und den Link auf Deinen Beitrag über Popayan. Jetzt weiß ich endlich, warum dort alles so weiß ist.

    Viel Spaß noch in meinem Lieblings-Reiseland Kolumbien!

    Liebe Grüße
    Manuel

    Antworten
    1. Yvonne Autor

      Dankeschön. Leider habe ich schon Kolumbien (auch mein Lieblingsland) verlassen.Ich hänge nur mit dem Blogschreiben etwas hinterher.
      Bald bin ich in Bolivien und habe deine ganzen Beiträge gelesen. Vielleicht treffen wir uns ja wirklich irgendwo mal auf der Welt auf einen Kaffee.
      Liebe Grüße Yvonne

      Antworten

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