Grenzgang

Ach, wie einfach ist es in Europa eine Grenze zu überqueren. Die Grenzüberquerung von Kolumbien nach Ecuador und umgekehrt mit einem privatem Fahrzeug ist mir ein paar Zeilen in diesem Blog wert.

Kleine Rückblende – die Einreise nach Ecuador:

Theoretisch könnte man einfach durchfahren, da ist keiner, der einen wirklich davon abhält. Aber wir brauchen die Stempelchen. Also parken wir das Auto und laufen zu dem Häuschen zurück. Warum sind hier so viele Menschen? Sie stehen in Viererreihen mindestens 100 Meter vom eigentlichen Eingang entfernt. “Wir müssen uns nicht im Ernst hier anstellen?”, frage ich Andreas. “Da stehen wir morgen ja immer noch”, maule ich rum. Ich arbeite mich nach vorn und erspähe eine zehnmal kürzere Reihe. “Ja, die ist für Ausländer”, nickt mir ein Grenzbeamter zu. Und die andere Reihe? Das sind Venezolaner, also Flüchtlinge. Jetzt realisiere ich auch die Rote-Kreuz-Zelte und die kostenlosen Gelbfieber- und Tetanus-Impfstellen. Während unserer Reise haben wir immer mal kleinere Grüppchen  Venezolaner an der Straße entlang laufen gesehen. Das Flüchtlingsthema hallt mir noch aus Deutschland in den Ohren. Doch wie ist das hier?

Grenzgang

Im Prinzip sehen sich die Menschen als ein Volk. Schließlich gab es im 19. Jhd. mal  Großkolumbien: Venezuela, Panama und Ecuador gehörten dazu. Während des Drogenkriegs in Kolumbien sind viele Kolumbianer nach Venezuela geflohen. Daher rührt auch das Verständnis für die Flüchtlingssituation. Das Problem ist nur, es sind zu viele (über zwei Millionen). Es gibt kein Sozialsystem wie etwa in europäischen Ländern. Das heißt, die, die kommen, haben nichts und bekommen nichts. Und Kolumbien selbst hat viele sehr arme Menschen. Wem also zuerst helfen? So werden auch hier die ersten Stimmen laut, die sich gegen die Flüchtlinge richten. Einige Venezolaner ziehen weiter und versuchen in Ecuador oder weiter südlich ihr Glück. Und so stehen wir nun nebeneinander mit unterschiedlichen Pässen in der Hand.

Nachdem wir endlich bis zur Eingangstür aufgerückt sind, sehe ich, das im Gebäude nochmal riesige Schlangen stehen. Erst ab hier wird sortiert, ob man einreisen oder ausreisen will. Mit dem kostenlosen Wifi vertreibe ich mir die Wartezeit. Dann, nach knapp zwei Stunden, haben wir endlich unseren Ausreisestempel und finden auch den Schalter, an dem wir die sogenannte “Aufenthaltsgenehmigung” für unser Auto abgeben können. Nun folgt das ganze Prozedere für die Einreise in Ecuador – anstellen, Pass abstempeln und Auto einreisen lassen. Für letzteres gehen wir an einen extra Schalter und es werden fleißig alle möglichen Daten in den Computer gehämmert und Fotos gemacht: vom Auto, vom Pass, vom Führerschein, von der Zulassung…

Drei Stunden später haben wir es geschafft.

Grenzgang

Wochen später …

Bei der Ausreise aus Ecuador haben wir relativ schnell den Ausreissestempel im Pass. Für die Autoausreise gab es wieder nur einen Schalter, egal ob Ein- oder Ausreise. Also, auf in die nächste sinnlose Warterunde. Dann dackeln wir rüber auf die kolumbianische Seite. Die Menschen sind nun doppelt so viele wie vor drei Wochen, denn für die Kolumbianer ist Ferienende. So gab es drei Reihen: Kolumbianer, Venezolaner und Sonstige. Ich bin froh, dass wir zu den Sonstigen gehören, denn das ist die kürzeste Reihe. Nach ewiger Warterei können wir einreisen. Fehlt noch die Genehmigung fürs Auto. Dafür dürfen wir alle Unterlagen inkl. Einreisestempel kopieren, allerhand Fragen beantworten und zu guter Letzt die Fahrgestellnummer mit Kohlepapier abpausen und einen Fingerabdruck hinterlassen.

Dieses Prozedere ist ja okay, wenn 50 Autos am Tag die Grenze queren. Was machen die, wenn es 500 oder mehr sind? Momentan nutzen die Einheimischen Busse und Taxis auf der jeweiligen Seite.

 

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