Wanderversuche in Panamas Gebirge

Nicht, dass wir wirklich geplant hätten den Vulkan Baru zu besteigen, aber ein bisschen Höhenluft schnuppern kann nicht schaden. Unser SUV-Mietwagen schnieft  Meter für Meter nach oben. Ich frage mich, warum es noch kein Namen für Wandern auf vier Rädern gibt, so was wie warädern. Mit offenen Fenstern holpern wir durch die Landschaft, vorbei an Kaffeeplantagen, orange blühenden Bäumen, wunderbaren Aussichten – für die wir auch mal anhalten, schließlich kann man auch im Sitzen fotografieren.

Wir sind uns einig, dass es für einen Vulkanaufstieg zu spät ist. Aber so ein kleiner Spaziergang zwei Kilometer parallel zu den Bergen ist schon drin. Andreas fährt inzwischen mit dem Auto durch das Tal auf die andere Seite und will uns dort abholen. So war der Plan. Was ich allerdings nicht an der Maps.me Karte sehen konnte ist, dass wir nach unten und dann alles wieder nach oben laufen müssen … in praller Sonne. Regina und Manfred schwitzen sich förmlich ihre Winterblässe raus. Na jedenfalls sind wir überaus erfreut, Andreas dann mit dem Auto zu sehen. Und so warädern wir ins Tal an einem Wasserfall und einer Basaltfelswand vorbei, die direkt an der Straße liegen.

Neuer Tag, neues Wanderglück. Und wieder starten wir erst am Nachmittag, das hilft ungemein gegen anstrengende Tagestouren per Pedes. Im Schneckentempo liegt die Kraft, schließlich gibt es links und rechts am Cerro Punta etwas zu entdecken. Zum Beispiel diesen Baum mit gelben Früchten.

“Kann man essen, ist aber ziemlich bitter, so wie Pampelmuse“, meint Andreas. “Bitter” das ist das Stichwort für Regina. Fast wie eine Marktfrau preist sie die positive Wirkung der Bitterstoffe auf die Gesundheit an. Na wenn das kein Grund ist… Andreas und Manfred schlagen sich den Bauch voll. (Allerdings wurde es später eng mit nur einem Klo im Ferienhaus.)


Die darmreinigende Kraft der Bitterstoffe dauerte genau 24 Stunden. Ein Werbeschild mit einem großem Eisbecher veranlasste Manfred zu einer Vollbremsung. Genau darauf hatten die beiden jetzt Appetit. Die Enttäuschung, dass das Eis dann nur fingerhutgroß war, ist Gesprächsthema des Tages.

Die Landschaft hier ist wunderschön. Unglaublich, dass man an diesen senkrechten Abhängen Felder bewirtschaften kann. Hier gedeiht das Gemüse prächtig, das Klima scheint perfekt zu sein.

In einer Orchideen-Farm sehen wir Dracula, eine spezielle Züchtung. Die Orchideensorten haben verschiedene Strategien, um Bestäubungspersonal anzulocken: die Schönen, die Getarnten, die Stinkenden, die Fallen, die Simulierenden. Je nachdem, ob Bienen oder Schmeißfliegen angelockt werden sollen, reicht die Duftnote von Männerklo über nasser Hund bis zu Orange. Es gibt aber auch Orchideen, die selbst wie Bienen aussehen. Die Sorte Dracula fängt ihre Bestäuber ähnlich wie eine fleischfressende Pflanze, aber sie hat einen Notausgang.  Den zu finden dauert allerdings eine Weile. Inzwischen lockt das Gesumme der gefangenen Fliege noch mehr Fliegen an. “Wer will schon alleine eine Party feiern”, meint unser Führer.

Jetlag oder Wandertagserschöpfung?

Nach der kurzen Pause starten wir einen neuen Wanderversuch. Dieses mal lassen wir angesichts des Straßenzustandes das Auto samt Regina unten stehen und laufen zu dritt die zwei Kilometer zum Eingang des Nationalparks. Die Ranger kommen uns auf einem Quad entgegen und meinen, es sei zu spät… also genießen wir nur den spektakulären Ausblick. Das Abendlicht ist zwar wunderschön, drängt uns aber zum baldigen Umkehren. 

Nach den wanderbaren Aufwärmrunden der Vortage soll es heute nun eine richtige Wandertour geben. Alle vier fühlen sich seelisch und moralisch bereit dazu. Die ersten paar Schritte sind getan, wir kommen um die Ecke und da blinzelt uns ein glasklarer Fluß an. Platzsch… Alle, die keine Angst vor Krokodilen, Pirañas und Seeungeheuern haben, springen rein ins erfrischende Nass.

Und dann kann es losgehen. Doch plötzlich – tropf, tropf… Hä, es ist keine einzige Wolke am Himmel. Warum regnet es? Ich stehe unter einem Regenbaum. Ja, das gibt es wirklich. Leider ist die wissenschaftliche Erklärung dafür weniger romantisch: Es sollen Ausscheidungen von Singzikaden sein, die den Baum bewohnen.

Wir wandern durch Bergwälder, bergauf und -ab auf engen Wegen, begegnen Bauern zu Pferde und zu Fuß.

Bis wir völlig durchgeschwitzt vor dem Wasserfall mit Badestelle stehen. Wow, ab ins Wasser… alle vier. Wir pfeifen auf  Krokodile und Co.

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