Revolutionäre Karibik: San Blas Islands

Die San Blas Inseln haben definitiv ihren Namen von der Hautfarbe der ankommenden Touristen. Zumindest an diesem Tag.

Auf die Inselgruppe kommt man im Prinzip nur mit einer geführten Tour oder mit Einheimischen. Also buchten wir eine Zwei-Tages-Tour, die in Panama City startet. Früh um fünf steht unser Fahrer auf der Matte und es geht los. Nach zwei Stopps und anderthalb Stunden Fahrt biegen wir auf eine unasphaltierte Straße. Was passiert, wenn man das gleiche Tempo wie auf der Schnellstraße halten will? Wir legen uns in die Kurven, hüpfen bei jedem Loch bis an die Decke und beten bei den Überholmanövern, dass heute kein Gegenverkehr kommt. Dann Stopp, leichtes Durchatmen durchströmt den Jeep: vor uns eine Autoschlange. Doch das juckt unseren Fahrer wenig, er schert aus und überholt mindestens 50 Autos, begleitet von „freudigem“ Gehupe der Anderen. Sein Kompagnon steht als Platzhalter ganz weit vorn und lässt uns in die Schlange einreihen.

Bald klärt sich auch, warum sich die Autos so gestaut haben. Wir betreten das autonome Gebiet der indigenen Volksgruppe Kuna Yala, das heißt Ausweiskontrolle sowie Einreisegebühr zahlen und das dauert seine Zeit.

Merkwürdige Typen, die mit Waffen in der Hand herum spielen, erzählen was von Revolution und wollen Geld von unserem Fahrer. Überall hängen Fahnen, wir müssen sogar einen Umweg fahren wegen dieser Revolution. Mir wird gleich ein bisschen anders, bis Manfred meint: „Das sind Kalaschnikows, die sind aus Holz geschnitzt.“ Uff…  doch später mehr dazu.

Zumindest hat sich halb Panama hier am Bootsanleger versammelt und wartet auf den Transfer. Wir werden mit Anderen zusammengetrommelt, an die Hafenkante geschoben und auch bald in ein Schnellboot gesetzt. “Seid ihr bereit nass zu werden?” meint unser Guide verschmitzt (der passenderweise auch noch Lenin heißt). Ich so: NEE!!! Mein Regencape ist im Rucksack und dieser ist regensicher vorn an Bord verpackt. Und so brechen wir durch Wind und Wellen. Die Gischt peitscht  nicht nur in mein Gesicht. Ich steige klatschnass, salzwasserklebrig, torkelig und BLAS eine Stunde später aus dem Kahn. Wir dürfen in unsere Hütte, uns umziehen und dann reiten wir auf den Wellen zu verschiedenen Inselchen. Badesachen, Windjacke und Sonnencreme, mehr braucht man nicht im Paradies.

Es ist gar nicht so einfach zwischen den ganzen Wochenend-Panamesen mit ihren koffergroßen Musikboxen ein schönes Plätzchen zu finden. Aber abgesehen davon ist es schön hier, wie man auf den Fotos sieht…

Unsere gebuchte Tour beinhaltete am nächsten Tag die Fahrt zu einer Insel, die nur von Einheimischen bewohnt wird. Hier löst sich nun auch endlich das Rätsel dieser Revolution. Wir werden als erstes in einen Raum geführt. Dort sitzen zwei Herren mit einem Buch,  einer Kasse und einer großen Fahne. Außerdem gibt es in diesem Raum ein paar Stühle. Die sind wohl für uns gedacht. Wir setzen uns. Auf spanenglisch erfahren wir, das jedes Jahr das Jubiläum der Revolution der Unabhängigkeit gefeiert wird und JEDER finanziell zu diesem Fest etwas beiträgt.

1925 trotzten die Kuna der Unterwerfung durch die Zentralregierung in einer blutigen Auseinandersetzung, die in der Dule Revolution gipfelte. 1930 wurde dann zwar ein politischer Vergleich geschlossen, aber die Indios mussten noch Jahrzehnte lang um ihre Anerkennung kämpfen. Die Flagge enthält absurderweise das Hakenkreuz-Symbol.

Wir wurden selbstverständlich auch um eine Spende gebeten. Immerhin war diese freiwillig. Beim Rundgang durch den Ort kommen uns ein paar Teenager mit Holzpistolen entgegen. Auf meinen verwunderten Blick sagte unser Führer: „Die kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden. Eine sei zum Beispiel: Kein Kuna darf kurz Hosen tragen! Das wird teuer.“ Man versucht so mit Traditionen der modernen Welt zu trotzen. Keine Ahnung, ob Verbote diesen Wandel wirklich aufhalten können, zumal ständig Touris hierher kommen. Aber die Jugend auf die Einhaltung der Gebote anzusetzen, ist schon ein kluger Schachzug. Ansonsten… werden uns die Traditionen im Museum gezeigt. Viele Holzgegenstände haben auch hier inzwischen preiswerteren Plastikersatz gefunden. Eine Sache könnte allerdings auf Dauer fortbestehen, denn damit lässt sich Geld verdienen. Sogenannte Molas sind Applikationsarbeiten, die mit feinsten Stichen nur von Männern ausgeführt werden. Sie ersetzten die Körperbemalung. Es heißt, die Misionare hätten den Kunas Stofffetzen gegeben, um sich zu bedecken, die sie kunstvoll zusammennähten. Im Alltagsleben gehören die Kleidungsstücke, so wie die mit Schmuck bedeckten Unterschenkel und Unterarme dazu. Man kann die Kunsthandwerkstücke überall erwerben. Ich habe zwei direkt vom Künstler gekauft.

 

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