Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)

Ein dem Schrotthändler entrissener Minivan holte uns ab. Überall dort wo keine Menschen saßen, wurden irgendwelche Päckchen und Beutel reingestopft, um diese dann wieder an wartende Leute am Straßenrand auf den nächsten 70 km bis zur Grenze zu verteilen. Unser Ziel war Pleiku.

Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)

Nach dem der kambodschanische Grenzer in seinem Holzhäuschen neugierig meine Stempel begutachtete, wurde meine eingetackerte Departurekarte herausgerissen, der Pass gestempelt und dann durfte ich zum Schlagbaum weitergehen. Dieser wurde mit einer Leine (natürlich für einen eigens dafür zuständigen Beamten) hochgezogen. Wir steuerten auf ein riesiges Gebäude zu, dass scheinbar dem armen Kambodscha mit allem Prunk zeigen wollte, wer hier der Herr im Lande Vietnam ist.  Ein bisschen verloren kamen wir uns vor, als einzige Fremde in diesem Grenzübergangs-Palast. Es klappte  alles wie am Schnürchen und so stiegen wir in einen vietnamesischen Mini-Bus, der neueren Datums zu sein schien. Aber auch hier benötigte einsteigen, aussteigen, auspacken, warten auf Fahrgäste bald mehr Zeit als die gesamte Fahrt. Übrigens scheint hier die Bremse eine Hupe zu sein. Doch im Gegensatz zu seinem kambodschanischen Kollegen, erinnerte diese Hupe an ein Feuerwehrspielzeugauto. Vielleicht war auch gerade das Radio kaputt und der Fahrer gönnte uns auf diese Weise einen musikalischen Einstieg nach Vietnam.

 

Auffällig ist, dass hier keine Häuser auf Stelzen stehen, sondern in schmalen Steinhäusern entlang der Straße gewohnt wird. Es entsteht der Eindruck, dass die Dörfer kein Ende nehmen. Und dann habe ich sie übrigens gesehen, die typischen vietnamesischen Hüte. Ich hörte, dass die Vietnamesinnen heutzutage lieber moderne Hüte tragen. Am Busbahnhof angekommen werden wir gleich von einem weiteren Minibusfahrer umworben, mit ihm zu fahren. Nein Danke – der Sleeping Bus und ein Mittagessen auf nüchternen Magen ist uns lieber. Wir gingen ins Busoffice, wo wir in marktschreierischer Lautstärke von einem zum anderen Schalter geschickt wurden.

Aber wir brauchten ja noch Dong. Nein das ist kein Musikinstrument, sondern die einheimische Währung. Ein ATM war mehr oder weniger schnell gefunden und schwupp waren wir Millionesen. Unser knurrende Magen führte uns in eine ziemlich abgeranzte Garküche. Wir führten die Hand zum Mund und signalisierten, dass wir etwas zu essen haben wollten. Sie verstand und servierte uns Reis mit eingelegten sauscharfem Gemüse und Fleischteilen, die mit deutschem Gulasch vergleichbar, ganz gut schmeckten. Die Bilder vom Markt, wo man solches Fleisch kauft, habe ich ausgeblendet. Denn auf dem Tisch sitzende, Fliegen wegwedelnde Frauen, die Tierteile in angehender Mittagshitze verkaufen – signalisiert dem deutschen Magen ein Befehl nach oben. Wir wurden für einen Dollar pro Person satt und verbrachten den restlichen Tag auf dem Busbahnhof mit Kaffee, Cashews, Hähnen und Hunden. Falls jemand mal in Lage kommt, hier aufs Klo zu wollen, sollte unbedingt die Gebühr zahlen, sonst kratzt euch die Klofrau die Augen aus – Unwissenheit zählt nicht. Grrr…

Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)

Aufgeregt standen plötzlich eine Stunde vor Abfahrt die Fahrkartenverkäuferinnen vor uns: „The BUS!“ Wir flitzten noch mal schnell auf Toilette (mit Bezahlung natürlich), verstauten die Rucksäcke und dann könnte es eigentlich los gehen. Aber Gemach. Der Bus wurde erst einmal einer Art TÜV Inspektion von einem äußerst wichtigen Mr. Uniform unterzogen. Dann endlich ging es los. Wir Frauen wurden zusammen mit zwei indonesischen Travelerinnen auf die 5 Liegen im Hinterteil platziert. Doch an Schlafen war nicht zu denken. In Partylautstärke flimmerte vietnamesischer Cha-Cha-Cha und Rumba mit übersteuertem Bass über den Bildschirm. Als das Bildmaterial erschöpft war, gab’s diese wunderbare Musik durch die Lautsprecher. Meine Reisetabletten wirkten langsam. Meine müden Glieder flogen dank der Buckelpiste mal zur Elisa und mal zur Indonesierin. Völlig übermüdet mussten wir in Hue raus dem Bus.

Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)
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Ein gewaltiger Regenguss holte uns um 4 Uhr morgens in die Realität zurück. Ins Quartier konnten wir noch nicht, so wurden wir Teil vom morgendlichen Treiben einer Busstation bei Regen! Mit dem Taxi sollte es zum Hotel gehen, doch der Platzhirsch verlangte das zehnfache. Wir schlappten durch den Regen bis zu einem Sonnenschirm, wo eine nette alte Vietnamesin uns ein Taxi besorgte. Wir vereinbarten 1 Dollar pro Person, was immer noch das doppelte vom Taximeterpreis war – aber übermüdeter Regenfrust führt zu dem einem oder anderen Zugeständnis.Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)

Ins Hotelzimmer konnten wir noch nicht, aber in einem Cafe um die Ecke gab es Frühstück und ein Dach über den Kopf, so dass wir die Vormittags-Regenstunden gut über die Runden brachten. Als wir dann die Zimmer bezogen, waren der muffige Geruch und die schwarzen Flecken an den Wänden alles andere als ein Wohlfühlfaktor. Theoretisch könnten wir bis 6 Uhr abends stornieren, wenn wir nicht schon bezahlt hätten… Nach langer Diskussion und 3 Dollar Entschädigung ließ uns die Gastwirtin ziehen. Nun standen wir im Regen und suchten ein neues Quartier.

Goodbye Cambodia Hello Vietnam (Vietnam 1)

Da wir uns auf Laufen geeinigt haben, kaufte ich an der Straßenecke vier wunderbare violette Regencapes. So schlappten wir durch Hue. Und mir war plötzlich völlig klar, warum Badelatschen das beste Schuhwerk sind. Da man bei Regen die Tiefe einer Pfütze nicht wirklich abschätzen kann, verschwand Krissi beinahe in einem Schlagloch. Zumindest verweigerte ihr Badelatschen seine eigentliche Funktion und so ging es barfuß weiter. Irgendwie fanden wir ein Hotel, welches nur ein paar Euro teurer war, dafür aber mit Frühstück angeboten wurde. Wir kamen frierend in die Lobby und bevor wir fragen konnten, ob noch ein Zimmer frei war, bekamen wir Handtuch, Saft und einen Obstteller gereicht. Es gab sogar ein Upgrade in der Zimmerkategorie. Kurz nach dem Einchecken wollten wir noch etwas Essen gehen. Doch die Straße hatte sich in einen kleinen Fluss verwandelt. So tasteten wir uns mit den Füßen unsicher, wegen der Löcher in der braunen Brühe, bis zur  nächsten Seitenstraße in ein Restaurant. Wir schauten noch ein bisschen dem Treiben auf der Straße zu und fielen wenige Stunden später in tiefen erholsamen Schlaf.

Für den nächsten Tag hatten wir eine Privattour zu den Königsgräbern gebucht. Ein junger Taxifahrer holte uns ab. Auf der Fahrt konnten wir gut plaudern. Die Trennung zwischen Süd- und Nordvietnam ist immer noch spürbar. Beispielsweise dürfen Kinder, deren Väter in der Armee waren nicht in einer Behörde arbeiten. Politische Themen anzusprechen ist hier nach wie vor noch ziemlich heikel – wahrscheinlich ähnlich wie zu DDR Zeiten. Zumal es hier noch die Todesstrafe für Landesverrat oder Drogenhandel gibt – seltener für Mord. Mit Regenschirm bewaffnet inspizierten wir die Gräber – die pompös im chinesischen Stil gebaut waren. Die passenden Chinesen gab es als Fotomotiv gratis dazu. Abschließend sahen wir uns noch eine Pagode und die verbotene Stadt an, die im Abendlicht mit ihren roten Holzbalisaden besonders schön aussah.

Auf der Straße wimmelte es von Mopeds, die kleine und große Bäume für ihr Gerät nach Hause transportieren. Keine Ahnung ob die Fahrer durch den Busch die Straße sehen konnten. Aber ich glaube die fahren hier eh nach Gehör! Auf der Suche nach einem ATM, der zur Abendstunde noch Geld hatte, kamen wir an zahlreichen Vaude Klamotten Läden vorbei, die hier scheinbar produzieren.

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