
Dieses Urteil ist kein Einzelfall in El Salvador. Schwangerschaftsabbrüche sind unter keinen Umständen erlaubt, weder bei Lebensgefahr noch nach Vergewaltigungen, so schreibt es das Gesetz in El Salvador vor. Die Frauen werden wegen Kindesmord zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt und als Kindesmöderin gebrandmarkt. Das ist Wahnsinn, denke ich. Aber die katholische Kirche hat da ja auch eine klare Position. „Ist es richtig, einen Auftragsmörder anzuheuern, um ein Problem zu lösen …“, sagte Papst Franziskus 2018 vor Gläubigen auf dem Petersplatz – und meinte Abtreibung.
Frauenrechte
Bei unserem Spaziergang durch Suchitoto werde ich stutzig. An vielen Häusern finden wir diese kleinen Schriftzüge. Was bedeuten Sie?
Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen gehören hier zum Alltag. El Salvador und Guatemala sind traurige Weltmeister, was die höchsten Frauenmordraten angeht. Nur selten kommt es zu Anzeigen, Anklagen geschweige denn Verurteilung. Was schließlich auch mit dem Vertrauen in die Behörden zu tun hat. Mit diesen stillen Worten an den Häusern werden Zeichen gesetzt. „En esta casa queremos una vida libre de violencia hacia las mujeres.“ bedeutet übersetzt: „In diesem Haus wollen wir ein Leben frei von Gewalt gegen Frauen.“
Ungefähr 50 % der Bevölkerung ist katholisch und etwa 30 % protestantisch. Und das obwohl man im Bürgerkrieg als Katholik schon verdächtig war. Mir stellt sich da gleich die Frage, wie ist eigentlich Glaube mit der krassen Gewalt der Banden (Mareros) vereinbar? Es kann schon mal vorkommen, dass Karfreitagsprozessionen, die jahrzehntelang durch ein bestimmtes Viertel führten, plötzlich nicht mehr stattfinden können, weil die Hälfte der Kirchgänger aus Angst vor der dort herrschenden Mara-Bande diese Straße nicht mehr überqueren kann. Viele Bandenmitglieder haben eine gewisse Ehrfurcht vor Gott, den sie als strafenden Richtergott sehen. Da die Kirche sich außerdem sozial engagiert, wird sie respektiert und so ist es ihr möglich, Übereinkünfte mit den Banden treffen. Die Menschen arrangieren sich, akzeptieren und überleben.
Frohe Botschaft – Ostern
Ostern feiern die Salvadorianer besonders opulent und farbenfroh. Schon in der Karwoche beginnen in den Orten Prozessionen und kuriose Bräuche, zum Beispiel im kleinen Ort Texistepeque. Als Teufel verkleidete Männer bekommen von der Kirche Peitschen, um die Menschen draußen mit Schlägen von ihren Sünden zu reinigen. Seit über 100 Jahren wird hier so der Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt. In anderen Orten wird das Leiden Christi nachgespielt, auch mit echten Schlägen.
Aber es gibt auch ganz normale Prozessionen…
Absolut spektakulär sind die Prozessionsteppiche. Mit Sägemehl, Salz, Sand, Textilfarben, Blumen und Früchten kreieren die Leute Kunstwerke auf der Straße. Hier ein paar Impressionen. Leider nur Handyfotos…
Mitten auf der Landstraße wird kilometerlang die Fahrbahn einspurig abgesperrt.
Leider regnete es zwischendurch und viele Bilder wurden kurz vor der Prozession noch einmal hergerichtet.
So viel Mühe und Arbeit nur für den einen Augenblick, an dem der Prozessionszug alles zertrampelt. Umso schöner und aufwendiger die Bilder, um so größer der Segen vom Priester für die Anwohner und Gestalter des Bildes. Deren Namen werden dann jedes Mal aufgerufen.
Im nächsten Beitrag geht es wieder mehr um Erlebnisse unserer Reise. Aber dieses Thema hier musste ich auch noch loswerden.